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Sonntag, den 24.02.2002
Köcherbaumwald - Fish River Canyon
Heute soll's weiter südlich zum Fish River Canyon gehen. Die Strecke ist nicht geteert, aber in gutem Zustand. Unterwegs kommen wir am Naute Dam vorbei, einem Stausee. Für die Entrichtung eines Eintrittspreises dürfen wir einen Blick auf die Wasserfläche werfen. Viel gibt es allerdings nicht zu sehen. Unterhalb des Staudammes findet sich ein Streifen bewässerten Landes, eine grüne Oase in der trockenen Umgebung.
Noch vor Mittag erreichen wir das Rastlager Hobas am Fish River Canyon. Rastlager sind die Campingplätze, manchmal auch mit Bungalows, in den Nationalparks. Wir entrichten unseren Eintritt und die Gebühr fürs Campen. Danach suchen wir uns erst mal einen schönen Zeltplatz. Hobas hat den Vorteil, daß es durch viele Bäume angenehm schattig ist.
Der Fish River Canyon ist noch etwa 15 km schlechtere Schotterstraße von Hobas entfernt. Wir erreichen den Hauptaussichtspunkt: es ist beeindruckend. Der Fish River Canyon ist der zweitgrößte Canyon der Welt. Er ist 161 km lang, bis zu 27 km breit und bis zu 550 m tief. Vom  Hauptaussichtspunkt führen Stichstraßen zu weiteren Aussichtspunkten süd- und nordwärts. Dorthin kommen wir trotz Geländewagen teilweise nur im Schritttempo voran, aber es lohnt sich. Hinter jeder Biegung eröffnen sich neue Ausblicke. An zwei Stellen führen Wege bis auf den Canyongrund. Diese darf man aber nur mit Permit gehen, und wegen der Hitze - es sind mindestens 40 Grad - gibt es keine Genehmigung. Erst waren wir bei dieser Nachricht etwas enttäuscht, haben aber, als wir dann am Ausgangspunkt der Wanderungen stehen, wirklich keine Lust: runter mag ja gehen, aber man muß ja auch wieder rauf ! Der Fish River im Canyon führt nur noch an wenigen Stellen Wasser: mehr eine Aneinanderreihung von Tümpeln als ein Fluß. Nachdem wirso ziemlich alle Aussichtspunkte abgeklappert und ausgiebig fotografiert haben, verziehen wir uns wieder nach Hobas. Wir liegen im Schatten auf unseren Isomatten, lesen ein bißchen, nutzen den kleinen Pool und sind so richtig faul an diesem Nachmittag. Nachts wieder kein Regen.

Montag, den 25.02.2002
Fish River Canyon - Lüderitz
Wir packen zusammen und stellen fest, daß unser linker Hinterreifen etwas platt aussieht. Der Griff zur bordeigenen Luftpumpe wird seit dieser Entdeckung alle 2-3 Tage notwendig, aber wechseln müssen wir den Reifen deshalb im ganzen Urlaub nicht.
Die Fahrt geht erst nordwärts auf Schotter und dann westwärts auf Asphalt Richtung Lüderitz. Die Stein- und Kieswüste geht langsam in eine Sandwüste über. In der Nähe von Aus soll man an der Wasserstelle Garub Wildpferde beobachten können. Ein winziges Hinweisschild an der Straße weist auf einen Sandweg, der etwa 2 km zu der Wasserstelle führt. Dort befindet sich ein kleiner Beobachtungsstand. Als wir aus dem klimatisierten Wagen aussteigen, trifft uns der Wüstenwind wie ein Heißluftfön. Der Blick geht über eine weite Ebene zu einem Berg mit Namen „Dicker Wilhelm“. Aber wir haben Glück: eines der berühmten Wildpferde verirrt sich zur Wasserstelle. Die Pferde sind vermutlich verwilderte Nachkommen von Pferden der deutschen Schutztruppe und haben sich speziell an das Leben in der Wüste angepaßt. Später auf der Weiterfahrt sehen wird noch ein weiteres Pferd die mageren Grasbüschel am Straßenrand abweiden.
50 km weiter gibt es überhaupt kein Gras mehr, nur gelbe Sanddünen. Schilder warnen vor Sandverwehungen auf der Straße.
Lüderitz Am frühen Nachmittag erreichen wir Lüderitz. Es ist brütend heiß. Das Touristbüro, in dem man sich für den Campingplatz anmelden soll, hat zu, ebenso das, was die Permits für Kolmannskuppe ausstellt - Mittagspause. So suchen wir erst mal einen Supermarkt und ergänzen unsere Vorräte. Danach besichtigen wir einige Gebäude aus der Kolonialzeit: die Felsenkirche und das Goerke-Haus. Lüderitz wurde von einem Deutschen gegründet und hat jetzt noch 8000 Einwohner. Es wird zwar viel gebaut, aber man sieht, daß diese Stadt ihre besten Jahre schon hinter sich hat.
In der Zwischenzeit haben die Touristenbüros wieder auf, und nach Erledigung unserer Wege können wir unseren geplanten Übernachtungsort, den Campingplatz gegenüber vom Hafen ansteuern. Hier auf einer felsigen Halbinsel schlagen wir unser Zelt auf. Wir entdecken eine kleine Badebucht gleich um die Ecke. Wegen permanent anhaltender Hitze gehen wir ein bißchen schwimmen. Das Wasser ist  allerdings ziemlich kalt, aber erfrischend. Danach geht's uns besser. Erfrischt fahren wir zum Achatstrand, an einer heruntergekommenen Schwarzensiedlung vorbei. Hier soll man Achate finden können, allerdings überwiegt der angeschwemmte Müll. Wir hatten zumindest kein Glück. Auf der Rückfahrt sehen wir einige weidende Springböcke.
Ein zweiter Ausflug an diesem Nachmittag führt uns an einer Lagune entlang zum Diazkreuz, einer Nachbildung des Kreuzes, das die Portugiesen wahrscheinlich 1488 hier aufstellten. Abends gehen wir dann schön essen. Das Restaurant heißt „Legends“ , André ißt Rumpsteak und Bettina Crayfisch, das sind Langusten, für die Lüderitz angeblich berühmt ist. Die Langusten sind wirklich klasse, 6 Stück und ganz frisch. Preiswert ist das Essengehen auch, für das riesige Rumpsteak zahlen wir umgerechnet knapp 6 Euro. Allgemein haben wir Glück mit dem Wechselkurs, er steht für uns ziemlich günstig: für einen Euro gibt's etwa 10 N$ (Namibianische Dollar). Der N$ steht übrigens 1:1 zum Südafrikanischen Rand, der ebenfalls anerkanntes Zahlungsmittel in Namibia ist. Dementsprechend kriegt man immer mal auch diesen als Wechselgeld raus. In Südafrika kann man  dagegen mit N$ nicht bezahlen.
>Nachts kein Regen, die Hitze läßt nach.

Dienstag, den 26.02.2002
Lüderitz - Kolmannskuppe- Tirasberge - Kooimasis
9:30 Uhr sollen wir in Kolmannskuppe, 15 km von Lüderitz sein, so steht es auf unserem gestern besorgten Permit. Pünktlich versammeln wir uns mit einigen Mitstreitern vor dem Schild mit der Aufschrift „Tourbeginn“. Kolmannskuppe kann man nur im Rahmen einer geführten Tour besichtigen, darf aber anschließend die halb zugewehten Häuser auf eigene Faust erkunden.
Kolmannskuppe wurde 1908 gegründet, als in dieser Gegend Diamanten gefunden wurden. Später lohnte der Abbau sich nicht mehr, und der Ort verfiel seit den 50er Jahren zusehens. Kolmannskuppe  ist heute eine Touristenattraktion und Geisterstadt.
Bei der Führung durch die Stadt, die wie selbstverständlich auf Deutsch durchgeführt wird (was bei zwei Belgiern zu totalem Unverständnis führt), ist die alte Pracht des Ortes zu erahnen. Es gab LuxusvillenKolmanskuppe und Häuser für die Arbeiter, ein Casino mit Kegelbahn, eine Schule, ein Hospital und eine Eisfabrik - und das mitten in der Wüste. Zur Blütezeit lebten hier etwa 300 Deutsche und 800 Arbeiter. Heute dominiert überall der Zerfall. Der Diamantenabbau hat sich weiter in den Süden Namibias verlagert. Diese Landstriche sind nur mit Sondergenehmigung zu betreten und heißen heute noch „Sperrgebiet“. Direkt an Kolmannskuppe grenzt der Stacheldrahtzaun.
Einige Häuser wurden renoviert und werden, wie das Casino, heute noch für Veranstaltungen genutzt. In anderen türmt sich der Sand meterhoch. Es ist interessant, durch halbverwehte Türöffnungen zu kriechen und die Zimmer durch die Fenster wieder zu verlassen.
Nachdem wir nach der Führung noch mindestens 7 Häuser erkundet haben, werfen wir noch einen Blick in das kleine Museum am Eingang, das Wissenswertes über den Diamantenabbau und die Geschichte Kolmannskuppes bereithält.
Danach - es ist schon ziemlich heiß - besteigen wir unser Auto und weiter geht's ! Zuerst müssen wir bis Aus zurück, dann geht's nordwärts auf der Schotterpiste C13 (ziemlich holprig), bevor wir auf die D707 einbiegen, eine landschaftlich sehr schöne Strecke. Rechts liegen die Tirasberge, links sind dir roten Dünen der Namib-Wüste zu bewundern. Die Landschaft weist pastellfarbene Abstufungen auf: von braun über ocker nach rot, dazu vertrocknete gelbe Grasbüschel. Über den Bergen tobt ein Gewitter, und wir haben wieder einmal Bedenken, ob uns im weiteren Verlauf eine überschwemmte Straße erwartet. Die Strecke ist sehr einsam, kein Auto zu sehen. Aber es geht alles gut.
Nach einer Weile kommt rechts der Abzweig zu Straußenfarm Kooimasis. Hier wollen wir heute übernachten. Erst mal müssen wir uns noch 20 km über eine Farmpiste mit teilweise tiefen Ausspülungen quälen und dabei unzählige Farmtore öffnen und schließen. Als wir schon langsam im Zweifel sind, ob das Farmhaus noch kommt, stehen wir endlich davor. Wir klingeln, ein Angestellter zeigt uns den Campingplatz und erzählt uns, daß der Farmbesitzer gerade nicht da ist.
Der Zeltplatz liegt sehr idyllisch zwischen roten Granitfelsen. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben, gehen wir erstmal duschen. Die sanitären Anlagen sind sehr hübsch in die umgebenden Felsen integriert, beispielsweise bildet die Rückwand der Dusche eine Felswand.
Gerade als wir zum Zelt zurückkehren, treffen wir den Farmbesitzer Wulf Izko. Er fragt uns, ob wir an einer Rundfahrt über sein Gelände teilnehmen wollen. Natürlich wollen wir, und so holt er uns und 4 weitereTirasberge Leute, die mit uns auf dem Zeltplatz sind, wenige Minuten später mit seinem Geländewagen ab. Es hat zu regnen angefangen, und der Farmer ist ganz aufgeregt vor Begeisterung. So häufig regnet es hier nämlich nicht, erzählt er uns, so drei oder vier Tage im Jahr. Bei der Rundfahrt sehen wir viel von der Farm, hören über die Probleme wie Wassermangel oder wie man allgemein hier draußen lebt. Wulf hat deutsche Vorfahren und spricht perfekt deutsch. Er züchtet Rinder, Strauße und Pferde und setzt nebenbei mit dem Campingplatz und einer kleinen Ferienwohnung auf Tourismus. Die Farmen in der Umgebung, alles Verwandtschaft von Wulf, haben sich zu einem privaten Naturpark Tirasberge zusammengeschlossen. Das Gebiet umfaßt eine Größe von 80.000 Hektar. Solche Flächen braucht man hier, um effektiv Landwirtschaft betreiben zu können. Man ist sehr abhängig von den seltenen Regenfällen, die auch mehrere Jahre ausbleiben können. Wulf bohrt deshalb auf seinem Farmgelände nach Wasser, an Stellen, die vorher ein Wünschelrutengänger (!) als vielversprechend angesehen hat. Natürlich bis jetzt mit mäßigem Erfolg.  Der Farmer erzählt auch viel über das Leben hier draußen. Er hat einige Angestellte, die Kinder gehen in Windhoek ins Internat. Am Ende der Rundfahrt fährt er uns zu einem idyllisch gelegenen kleinen Köcherbaumwald an einem Berghang mit weitem Blick über sein Farmland. Dabei geht es steil  einen Schotterhang hinauf. Daß man solche Strecken noch mit einem Geländewagen fahren kann, war uns neu. Die Rückfahrt auf dem Farmweg, den wir am Nachmittag mit 30 km/h entlanggeschlichen sind, wird von Wulf mit mindestens 100 Sachen durchgeführt. Entsprechend gut durchgeschüttelt sind wir, als uns der Farmer wieder auf dem Campingplatz absetzt. Anschließend grillen wir noch die Straußensteaks, die er uns verkauft hat. Sie schmecken absolut köstlich. Nachts schlafen wir trotz guten Wetters etwas unruhig, da irgendein Tier ums Zelt herumstreicht und uns Wulf einiges von hier vorkommenden Leoparden erzählt hat. Wahrscheinlich war es aber nur der Hund des Farmers, der uns schon beim Grillen Gesellschaft geleistet hat.


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